Edwin Als Jugendreferent des Alpenvereins Abteilung Karlsruhe hast Du die Aufgabe übernommen eine Mannschaft für dem Elbrusbesteigung zu organisieren. Welche Schwierigkeiten mustes Du da überwinden?
Benedikt: Die Größte Schwierigkeit lag meines Achtens in der Informationsbeschaffung. Es war recht schwer, mir ein genaues Bild von der Sache zu machen, da ich meinen organisierenden Partner in Russland nicht kannte, noch nicht einmal seine Sprache spreche.
Alle meine Annahmen und die mir gegebenen Vorraussetzungen musste ich aus einem sehr kurzen Emailkontakt ableiten. Aber jetzt kenne ich alle Verantwortlichen in Russland und kann auch direkt mit Ihnen kommunizieren. Von daher sehe ich hierkeine Schwierigkeiten mehr für zukünftige Austausche, wie die Mt. Blanc Besteigung im Sommer.
Edwin: Wie waren die Vorbereitungen zum Aufstieg?
Benedikt: Wir sind zum größten Teil einigermassen erfahrene und geschulte Bergsteiger. Technisch war daher keine große Vorbereitung nötig. Wir waren allerdings alle noch nicht im Kaukasus und haben uns im Vorfeld sehr genau über die Bedingungen und Schwierigkeiten dieses Aufstieges informiert. Außerdem mussten wir unser Equipment wegen der extremen Temperaturen aufstocken. Wir haben es leider nicht mehr geschafft im direkten Vorfeld in den Hochalpinenraum zu fahren, um uns zu akklimatisieren, dies musste vor Ort mit wenigen Touren geschehen. Leider hatte einer unserer Gruppe Probleme damit.
Ansonsten haben wir uns ein sehr umfangreiches Fitnessprogramm in den letzten Monaten auferlegt.
Edwin : Wie wurde die Gruppe im Kaukasus von den Kollegen empfangen?
Benedikt: Es war menschlich ein sehr herzlicher und freundlicher Empfang! Man hat außerdem unglaublich viel Aufwand für uns betrieben. Wir haben uns Teilweise wie Rockstars gefühlt.
Edwin: Gibt es ein Unterschied zwischen Kaukasusgebirge und Alpen?
Benedikt: Mir ist bergsteigerisch und landschaftlich kein wesentlicher aufgefallen.
Allerdings befindet man sich im Grenzgebiet zu Georgien. Es handelt sich zwar
nicht mehr um ein Kriesengebiet, man kann die angespannte Lage aber hin und wieder
spüren. Man sollte die Berge an der direkten Grenze unbedingt meiden und immer seinen Pass dabei haben. Es laufen überall in den Bergen schwerbewaffnete Soldaten und Grenzschützer rum.Bei der Busfahrt raus aus den Bergen versperrte z.B. plötzlich ein Panzer die Straße und unser Bus wurde von einem Soldaten durchsucht.
Edwin: Wie war die Kommunikation zwischen den russischen und deutsche Bergsteiger in der Vorbereitungsphase und während des Aufstiegs.
Benedikt: Die Kommunikation war eines der größten Probleme in diesen Tagen. Wir konnten nur wenige Worte Russisch und unsere Partner konnten nur wenige Worte Deutsch oder Englisch. Wir waren also meistens auf Körpersprache oder unseren Übersetzer angewiesen. Aber trotzdem hat es irgendwie schon geklappt mit dem Verständigen, beim Bergsteigen ist eh eine gesunde Portion Geduld und ein bisschen Humor überlebenswichtig. Aber es kamen leider selten wirkliche Gespräche zustande.
Edwin: 6. Was für ein Gefühl ist es auf dem Gipfel des Elbrus und Europas zu stehen.
Benedikt: Es ist ein Überwältigendes Gefühl! Man ist völlig geschafft wegen dem anstrengenden Aufstieg und der Höhe, aber trotzdem empfindet man nur noch Freude. Freude über das Geschaffte und den atemberaubenden Blick. Außerdem verfällt man manchmal über 5000m (in jedem Gebirge liegt die Grenze wo anders)in einen leichten Trance-Zustand. Man erlebt alles irgendwie ein bisschen surreal! Ein lustiges Gefühl!
Edwin: Was hat Dich am meisten gestört in diesen Tagen?
Benedikt: Zum einen hat mich die besagte Sprachbarriere gestört und uns auch manchmal wenn es um heikle Sachen ging blockiert. Zum anderen waren die Ziele der Besteigung bei uns und unserem russischen Partner teilweise anders gewichtet. Uns ging es vor allem um einen Austausch mit russischen Gleichgesinnten und das gemeinsame Bergsteigen. Von russischer Seite war die PR-Wirksamkeit der Aktion einer der Hauptziele, zumindest hatten wir manchmal das Gefühl.
Edwin: Was hat Dich am meisten begeistert in diesen Tagen?
Benedikt: Dass wir trotz eben dieser Sprachbarriere die Leute kennen und lieben lernen konnten. Dass wir viel von Russland und seinen Traditionen kennen lernen durften.
Dass unsere deutsche Gruppe auch untereinander sehr zusammengewachsen ist und viel Spass hatte.
Edwin: Möchtest Du was von sich selbst hinzufügen?
Benedikt: Wir freuen uns sehr auf die Rückbegegnung und alles was dann noch in den nächsten Jahren kommt. Hoffentlich sehen wir viele der Menschen, die wir kennen gelernt haben und auch irgendwie Freundschaft zu geknüpft haben dann wieder!
Edwin: Danke Dir für dass ausführliche Interview!
Benedikt: Gern geschehen!