GORODKI

 

 

Sergej Gergert

 

Es ist schon zehn Tage her, als wir vom Elbrus runter kamen,

ich kann aber nach wie vor nicht glauben, dass wir es geschafft haben

und auf dem höchsten Gipfel Europas waren…

 

Zum Gipfel der Gefühle und Erfahrungen…

 

 

Ich kann mich heute auf das Elbrusprojekt wie auf einen Traum erinnern, so übereilt, eigenartig und unerwartet die Ereignisse waren, die uns zwei Wochen lang fest in Griff hatten. Für mich, der davor noch nie in hohen Gebirgen war, hat die extreme und unbeschreiblich schöne Natur und körperliche Herausforderung einen besonderen Eindruck hinterlassen. Ich kann mir gut vorstellen, dass es für meinen fünf neuen Freunde aus dem Karlsruhen Alpenverein, die dabei noch ihren ersten Trip nach Russland erleben konnten, waren die Erlebnisse noch intensiver und vielseitiger.

Leider konnten wir uns erst während unserer Reise richtig kennen lernen so, dass es keine Zeit gab, uns auf die bevorstehende Reise und Kulturschock richtig einzustellen. Deswegen war auch die Anspannung bei unserem Abflug von Flughafen Frankfurt über Moskau nach Krasnodar bei allen von uns ziemlich groß, was nicht nur auf den nächtlichen Flug, sondern auch auf viele Erwartungen zurückzuführen war. Dass ich für die Gruppe verantwortlich bin und von mir einiges in dieser Reise abhängen wird habe ich schon bei der Zwischenlandung in Moskau deutlich gespürt, wo wir mit ersten Verständigungsproblemen konfrontiert wurden. Wie wird es in Krasnodar sein, wie kommen wir mit den Leuten klar, mit denen wir auf den Elbrus gehen werden, bin ich körperlich fit genug für die Reise – diese Fragen haben mich und vielleicht auch Anderen ziemlich beunruhigt.

Erst bei der Landung in Krasnodar und dem Treffen mit anderen Projektteilnehmern aus anderen Karlsruher Gruppen hat diese Anspannung etwas nachgelassen. Dabei ist uns/mir erst hier deutlich geworden, welch große Erwartungen beide Seiten auf das Erfolg unseres Unternehmens hatten. Ich denke, dass es auch für die Finanzierung unseres ganzes unternehmen sehr wichtig war, denn wie ich es von den Russen mitkriegen konnte, war diese zu dem Zeitpunkt auch noch nicht gesichert.

Mit der ersten Pressekonferenz in Krasnodar hat für mich (uns) ein Aufeinanderreihen von überdimensionalen Ereignissen angefangen, die uns die nachfolgenden zwei Wochen begleitet hat.

Vom Anfang an hatte ich das Gefühl, dass die Russen unsere Reise sehr sorgfältig vorbereitet haben und waren sehr davon überzeugt, dass es alles auch einen Erfolg haben wird. Bei dem Aufwand, der dahinten stand war es auch nicht anders zu erwarten. Die organisatorische Abläufe und Gespräche mit den verantwortlichen Personen in „Orlyonok“ konnten mich schnell überzeugen, dass sie wissen was sie wollen und wie sie es erreichen werden.

Ich war in einer gesonderten Position in unserer Gruppe, denn ich auch viele Gespräche am Rande und andere Infos und Probleme verstehen konnte.

Bei der langen Busfahrt in den Kaukasus konnten wir etwas mehr erfahren, was für Leute mit dabei sind und konnten uns mit vielen von ihnen erst mal austauschen. Als Ivan und Nikolai auf der Fahrt sich zu uns angeschlossen haben, habe ich gespürt: „Sie wissen wohin sie gehen!“ Beide haben eine unglaubliche Kraft und Sicherheit ausgestrahlt, die beinah etwas lässig ausgesehen hat. Auch die nächsten Tage in den Bergen habe ich das Gefühl gehabt, dass die zwei einen Auftrag haben, uns schnell und sicher auf den Berg zu bringen. Keine Sekunde habe gezweifelt, dass sie es auch machen werden und habe mich die ganze Zeit immer sicher bei denen gefühlt obwohl ich keine Ahnung über das Bergsteigen hatte. Die Beiden haben mich sehr stark an meinen Ringen-Trainer Leo Schwindt erinnert, der mein Aufwachsen sehr stark geprägt hat und bei dem ich sehr Vieles lernen konnte. Mit Nikolai und Ivan konnte ich schnell einen guten Kontakt aufbauen und wir uns die ganze zeit gut verstanden haben. Auch diese Gastfreundschaft, die wir alle nach dem Rücker von Elbrus bei Ivan erfahren konnten war für mich auch nicht ganz neu, sondern es kamen sehr viele Erinnerungen aus meiner Kindheit wieder, die mich sehr glücklich gemacht haben. Ich war besonders froh darüber, dass meine fünf Karlsruher Freunde, die noch nie davor in Russland waren und eigentlich überhaupt noch kein Bild über dieses Land hatten, diese unerklärbare Gastfreundschaft und richtig nette und interessante Leute kennen lernen konnten. Ich denke und hoffe sehr, dass diese persönlichen Erfahrungen bei ihnen entsprechenden Eindruck hinterlassen und Interesse zu diesem Land aufgewühlt haben.

Ich kann aber auch gut die Enttäuschung meiner Freunde verstehen, dass es für einen Jugendaustausch sehr wenige von den Gleichaltrigen am Projekt beteiligt waren und selbst bei den einigen, die dabei waren stellten Kommunikationsprobleme ein sehr großes Hindernis dar. Das hat auch diese jungen Russen gehemmt und zurückgehalten. Einige von ihnen haben sich fast geschämt, dass sie weder Deutsch noch Englisch konnten.

Bei den Gesprächen in Orlyonok konnten wir auch die Organisatoren des Austauschprojektes überzeugen, dass es ein Schwachpunkt unseres Projektes war und bei der nächsten Begegnung dieser Punkt eine ganz andere Gewichtung bekommen soll. Wie und ob man es dann realisieren lässt, werden wir ja sehen können.

Das Besondere, was ich für mich persönlich aus diesen zwei Wochen mitgenommen habe, sind viele nette Leute und neue Freunde, die ich dort und hier finden konnte. Ich werde es nie vergessen, wie schnell und problemlos wir zu einem Team geworden sind und wie meine neue Bergkameraden kurz vor dem Gipfel auf mich noch gewartet haben, damit wir zusammen auf das Berg hinauf kommen könnten.

 

Dafür möchte ich mich bei allen Beteiligten bedanken und mein Respekt aussprechen.