Jugendfreizeit- und Bildungswerk (Hg.)
Zum aktuellen Stand der
Städtekontakte
zwischen
und
Martin Lenz/Jan- Dirk Rausch
unter der Mitarbeit von
Marianne Otteny und Matthias Walther
Stadtjugendausschuss e.V. Karlsruhe
Vorwort von Harald Denecken
Die Welt ist so verkehrt. Nicht wir, die wir als Deutsche so viel Leid und Tränen über die Menschheit gebracht haben, werben um die Freundschaft und Partnerschaft mit den Bürgern und Bürgerinnen unserer ehemaligen Feinde. Nicht wir, deren Väter und Großväter oft erbarmungslos mit schweren Stiefeln und steinernen Herzen in fremden Dörfern und Städten den Frieden zerstören, bitten um Verzeihung.
Nein, es ist für junge Menschen oft unbegreiflich, unsere früheren Feinde, insbesondere im Osten Europas, strecken uns ihre Hände entgegen, um mit uns in Freundschaft und Frieden zu leben.
Wir müssen diese Hände ergreifen!
Wir müssen nun endlich den innigen Wunsch vieler Menschen in der Sowjetunion erkennen: Sie glauben fest daran, durch Partnerschaften und Begegnungen mit den Deutschen die tiefen Wunden des „vaterländischen Krieges“ zu heilen.
Die Jugendverbände von Karlsruhe haben vor Jahren bereits die ersten Schritte der Begegnung getan. Krasnodar war und wird immer das Ziel sein. Sie haben dort Freunde und Partner gefunden, die gemeinsam voneinander lernen, ein neues Europa aufzubauen. Diese Schritte muss man unterstützen- durch die Unterzeichnung eines Partnerschaftsvertrages beider Städte, der von der Mehrheit der gewählten Vertreter und Vertreterinnen aller Bürger getragen wird.
Die Jugendverbände der Stadt Karlsruhe haben das Eis gebrochen. Die zarte Pflanze der gegenseitigen Partnerschaft sollte nun gemeinsam umhegt werden.
Diese Dokumentation möge die Verantwortlichen überzeugen, dass es nur noch eines kleinen Schrittes bedarf, eine wertvolle Arbeit „von unten“, durch eine bedeutsame Unterschrift „von oben“ unter einen Partnerschaftsvertrag zu krönen!
Harald Denecken
Vorsitzender des Stadtjugendausschusses e.V.
RÜCKBLICK: WIE ALLES BEGANN
Die Kontakte zwischen Karlsruhe und Krasnodar bestehen seit 1979. in diesem Jahr war es zum ersten Mal möglich, mit der UdSSR einen Jugendaustausch durchzuführen. Die „Hessisch- Rheinländische Gesellschaft zur Förderung der Beziehungen mit der UdSSR“ hatte es nach zähen Verhandlungen erreicht, dass fünfzehn Gastgruppen von je dreißig Personen aus der UdSSR für zehn Tage die Bundesrepublik Deutschland besuchen konnten. Der Stadtjugendausschuss e.V. hatte bereits 1978 großes Interesse daran gezeigt, eine sowjetische Jugendgruppe in Karlsruhe zu begrüßen, was dann auch im März ´79 erstmals gelang. Die Gruppe- junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 35 Jahren- hielt sich vom 21. bis 31. März 1979 in Karlsruhe auf und kam aus Krasnodar. Dass die Gruppe aus Krasnodar stammte, war Zufall. Der Stadtjugendausschuss e.V. hatte sich nicht um eine bestimmte Stadt bemüht.
In der Folgezeit war es das Bestreben des Stadtjugendausschuss e.V. mit ein und derselben Stadt in der Sowjetunion in Kontakt zu bleiben. Dies gelang zunächst jedoch nicht. Die erste Reise des Stadtjugendausschuss e.V. führte nach Moskau, Rostov- Velikij und Jarolawl. Ein Jahr später aber bereits wurden den nachdrücklich vorgebrachten Wünschen des Stadtjugendausschuss e.V. entsprochen, und im September 1980 fuhr die erste Karlsruher Gruppe, überwiegend Jugendgruppenleiter aus den Mitgliedsverbänden des Stadtjugendausschuss e.V. nach Moskau und Krasnodar. Dort wurde die Gruppe von den Freunden, die sie im Jahr zuvor kennen gelernt hatte, in einer sehr herzlichen Atmosphäre begrüßt. Von nun an führte der Stadtjugendausschuss e.V. jährlich ein Jugendaustauschprogramm für die Altersgruppe 18- bis 35jähriger mit Krasnodar durch. Das Programm wurde lediglich 1984 kurzzeitig unterbrochen, als das Bundesjugendministerium die organisatorische Abwicklung übernahm, mehrere Fehlleistungen produzierte und die für Karlsruhe vorgesehene Krasnodarer Gruppe versehentlich nach Hanau schickte.
Den Austauschmaßnahmen schloss sich im Jahre 1985 als erster Mitgliedsverband des Stadtjugendausschuss e.V. die Badische Sportjugend Kreis Karlsruhe an, die eine Gruppe junger Sportler und Sportlerinnen nach Krasnodar entstandene und im Februar 1986 einen Gegenbesuch aufnahm. Die Sportjugend führte die Kontakte mit Krasnodar fort und wird im Mai 1991 wieder eine Gruppe junger Sportler und Sportlerinnen nach Krasnodar (Gegenbesuch: September ´91) entsenden.
Außer der Jugendaustauschmaßnahmen für junge Leute aus beiden Städten ist die Konzertreise des Sinfonieorchesters an der Universität Karlsruhe (Leitung: Dr. Dieter Köhnlein) besonders hervorzuheben. Das Orchester gab im Oktober 1986 zwei Gastspiele in Krasnodar. Die Gastspielreise und die großen Erfolge, die das Orchester erzielte, wurden in der Öffentlichkeit Krasnodars und Karlsruhes ausführlich gewürdigt.
Im Zusammenhang mit der Reise des Stadtjugendausschuss e.V. nach Krasnodar im Mai 1988 trat das Karlsruhe Kabarett „Herr Bär“ in Krasnodar auf. Das Gastspiel wurde aufgrund der bestehenden privaten Kontakte auf informelle Art und Weise arrangiert. Einer der beiden Auftritte führte die Kabarettgruppe zur Fakultät für Germanistik und Romanistik der Universität Krasnodar. Die von den Kabarettisten mitgebrachten, selbstverfassten Texte sind mittlerweile Bestandteil des Deutschunterrichtes an der Krasnodarer Universität geworden.
In den Jahren 1988 und 1989 fand zwischen Karlsruhe und Krasnodar erstmals ein Theateraustausch statt. Hieran beteiligten sich die Bühne des Stadtjugendausschuss e.V. „Die Spur“ sowie das Studententheater „Maska“ des Polytechnischen Instituts Krasnodar. Dies war der erste Austausch von Amateurtheatern zwischen Bundesrepublik Deutschland und der UdSSR, der außerhalb von bestehenden Städtepartnerschaften stattfand.
1990 waren Delegationen des Stadtjugendausschuss e.V. und der Solidaritätsjugend in Krasnodar. Gegenbesuche sind geplant bzw. fanden statt. Zudem führte die Karlsruher Gruppe „Raummusik für Saxophone“ mit großem Erfolg eine Gastspielreise nach Krasnodar durch.
Von Krasnodar waren Gruppen zum „Camp ´90“, der Europäischen Jugendbegegnung anlässlich des Stadtjubiläums „275 Jahre Karlsruhe“, bei der „Spur“ und beim Stadtjugendausschuss e.V. in Karlsruhe zu Besuch.
Hinzu kommen zahlreiche, individuelle Privatbesuche in beide Richtungen.
BEGEGNUNGSSTATISTIK
TERMIN PERSONEN TAGE KA KR TRÄGER
1979
März 30 10 X jfbw/Stja
1980
September 30 10 X jfbw/Stja
1981
Juni 27 10 X jfbw/Stja
Oktober 30 10 X
1982
Juni 30 10 X jfbw/Stja
Oktober 30 10 X jfbw/Stja
1983
Mai 30 10 X jfbw/Stja
1985
Mai 27 10 X jfbw/Stja
Juni 30 10 X jfbw/Stja
September 25 10 X BSJ
1986
Februar 30 10 X BSJ
Oktober 77 11 X Uni KA
1987
Juni 33 11 X jfbw/Stja
Dezember 30 12 X jfbw/Stja
1988
Mai 30 11 X jfbw/Stja
August 15 8 X BSJ
Oktober 20 10 X Spur/Stja
Dezember 30 10 X jfbw/Stja
1989
Mai 20 10 X Spur/Stja
Juni 30 10 X jfbw/Stja
Oktober 30 10 X jfbw/Stja
1990
April 17 10 X Raummusik
Mai 27 10 X jfbw/Stja
August 13 14 X jfbw/Stja
August 20 14 X Solid.Jug.
Oktober 30 10 X jfbw/Stja
Oktober 30 10 X Spur/Stja
Eigentlich müsste an dieser Stelle eine Auflistung der privat organisierten Begegnungskontakte erfolgen. Da im letzten Jahrzehnt eine Vielzahl solcher Kontakte stattgefunden hat, wären für eine der Sache angemessen Statistik aufwendige Recherchen notwendig, die im Rahmen dieser Schrift nicht zu leisten sind.